Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben gegen Preisdruck und Schädlinge
Noah AlbrechtZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft um Überleben gegen Preisdruck und Schädlinge
Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät unter Druck
Der Anbau von Zuckerrüben in Deutschland steht vor wachsenden Herausforderungen: sinkende Preise, schrumpfende Anbauflächen und eine zunehmende Bedrohung durch Schädlinge und Krankheiten setzen die Branche unter Druck. Seit dem vorläufigen Inkrafttreten des Mercosur-Handelsabkommens im Jahr 2020 ist die Rübenanbaufläche um 15–20 % zurückgegangen, in einigen Regionen sogar um mehr als ein Viertel. Landwirte suchen nun nach neuen Lösungen, um ihre Erträge zu sichern und die Produktion wirtschaftlich tragfähig zu halten.
Die Branche sieht sich gleichzeitig mit mehreren Problemen konfrontiert: Resistente Unkräuter wie Hühnerhirse, Blattkrankheiten wie die Cercospora-Fleckenkrankheit sowie zuckerreduzierende Infektionen durch die Zikade Hyalesthes obsoleta (SBR) mindern die Erträge. Bei schweren Befällen kann die Zuckerproduktion um bis zu 50 % einbrechen – dann lohnt sich die Ernte kaum noch. Gleichzeitig drücken zollfreie Billigimporte die Preise, sodass einige Landwirte ihre Anbauflächen verringern müssen.
Als Reaktion setzen Bauern auf neue Pflanzenschutzmittel. 2025 testete Marius Feldmann, Betriebsleiter bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG, auf 44 Hektar das Herbizid Rinpode in Kombination mit dem Biostimulans Kinsidro Grow+. Die Mischung bekämpfte hartnäckige Hühnerhirse effektiv und benötigte dabei nur 2 g/ha – deutlich weniger als herkömmliche Herbizide. Erste Versuche deuten darauf hin, dass Rinpode die Rübenerträge um 3–7 % steigern und den Zuckergehalt erhöhen könnte. Kinsidro Grow+ ist mittlerweile fester Bestandteil des SBR-Bekämpfungsprogramms von Südzucker.
Trotz dieser Fortschritte bleiben die wirtschaftlichen Belastungen bestehen. Feldmanns eigene Rübenflächen schrumpften von 160 Hektar im Jahr 2023 auf 118 Hektar im Jahr 2026. Notfallzulassungen für bestimmte Pestizide brachten zwar Entlastung, doch die Landwirte wünschen sich langfristige, stabile Lösungen. Ohne diese könnte der weitere Rückgang der heimischen Produktion die regionale Zuckerversorgung gefährden.
Der Kombination aus Marktzwängen und biologischen Bedrohungen verdankt der Zuckerrübenanbau seine aktuell schwierige Lage. Neue Herbizide, Fungizide und Biostimulanzien bieten zwar Ansätze zur Entlastung, doch ihr langfristiger Erfolg hängt von einer breiteren Anwendung und regulatorischer Unterstützung ab. Sollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, könnten Deutschlands Rübenanbauflächen – und damit auch die Zuckerunabhängigkeit des Landes – weiter schrumpfen.