24 March 2026, 14:06

Nurejews verbotene Ballett-Legende feiert in Berlin triumphale Rückkehr

Eine Ballerina in einem rosafarbenen Tutu und Spitzenschuhen tanzt auf einer Bühne umgeben von anderen Tänzern in ähnlichen Kostümen, mit einem dunklen Hintergrund, der eine dramatische Atmosphäre schafft.

Nurejews verbotene Ballett-Legende feiert in Berlin triumphale Rückkehr

Ein mutiges Ballett zu Ehren von Rudolf Nurejews dramatischem Leben steht seit seiner Uraufführung im Zeichen politischer Turbulenzen. Ursprünglich 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater aufgeführt, wurde die Produktion später in Russland verboten – wegen ihrer Darstellung eines offen schwulen, HIV-positiven Tänzers. Nun erlebt sie in Berlin eine Wiedergeburt, wo sie bereits zwei Jahrzehnte früher in einer anderen Fassung Premiere feierte.

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Das Ballett "Nurejew" erzählt vom Werdegang des legendären Tänzers – von seiner Flucht aus der Sowjetunion nach Frankreich 1961 bis zu seinem ambivalenten Verhältnis zu seiner Heimat. Die Bühne sprüht vor Symbolen seines exzessiven Lebens: männliche Akte alter Meister, Maria Callas' Sofas, mit Goldfäden bestickte Kostüme und sogar ein Nachbau seiner privaten italienischen Insel. Den Höhepunkt bildet eine gespenstische Schlusszene: Nurejew, in einen weißen Turban gehüllt, inszeniert seinen eigenen Tod – ein Moment, der das Publikum sichtbar ergreift.

Der Choreograf Juri Possochow, ein in der ukrainischen Stadt Luhansk geborener US-Bürger, schuf das Ballett gemeinsam mit dem Regisseur Kirill Serebrennikow. Serebrennikow verpasste jedoch die Moskauer Premiere 2017, nachdem gegen ihn wegen Untreue ermittelt worden war – ein Fall, der mit der zunehmenden Unterdrückung künstlerischer Freiheit in Russland zusammenhing. Kritiker bemängelten, dass der erste Akt zwar funkelte, der zweite jedoch unter überladener Theatralik und holprigem Humor litt.

Bis 2023 zwangen Russlands Gesetze gegen "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" das Bolschoi-Theater, das Ballett vollständig aus dem Programm zu nehmen. Die Zensur spiegelte die allgemeine Einschränkung künstlerischer Freiheiten unter Putins Regierung wider, die bereits seit der Premiere 2017 an Fahrt aufgenommen hatte. Nurejews Nachlass, 1995 versteigert, lebt heute nur noch in Produktionen wie dieser weiter – fernab des Landes, das ihn einst feierte.

Die ursprüngliche Fassung von "Nurejew" war 1995 am Berliner Staatsballett uraufgeführt worden, kurz nach dem Tod des Tänzers. Jahrzehnte später wird die Stadt nun Schauplatz seiner Wiederauferstehung und bietet einen seltenen Einblick in ein Leben, das im heutigen Russland zu kontrovers ist.

Die Neuinszenierung in Berlin markiert einen Bruch mit den russischen Ursprüngen des Werks, wo politische Repressionen seine Geschichte zum Schweigen brachten. Mit seinen expressiven Bühnenbildern und dem emotionalen Finale ehrt die Produktion weiterhin Nurejews Vermächtnis – wenn auch nur jenseits der Grenzen seiner Heimat. Das Verbot unterstreicht, wie einst gefeierte Kunstwerke unter wechselnden Regimen zur Zielscheibe werden können.

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