Wie Sexpuppen von Kuriositäten zur globalen Industrie wurden
Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener erforscht seit Jahren die Geschichte und Bedeutung von Sexpuppen. In ihrer aktuellen Studie zeichnet sie deren Entwicklung über das letzte Jahrhundert nach – von obskuren Kuriositäten zu einer boomenden globalen Industrie. Beim anstehenden taz Queer Talk wird sie erläutern, wie diese Objekte die Medien, den Handel und Geschlechterdynamiken prägen – und umgekehrt von ihnen geprägt werden.
Regener, emeritierte Professorin an der Universität Siegen, forscht zu visueller Kultur und marginalisierten Gemeinschaften. Ihre Arbeit untersucht, wie Sexpuppen beworben, erworben und in den Alltag integriert werden. Darüber hinaus analysiert sie deren weiterreichende Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Normen.
Die Entwicklung von Sexpuppen spiegelt deutliche kulturelle Unterschiede wider: Japan trieb den Markt in den 1980er- und 90er-Jahren voran, begleitet von wachsender gesellschaftlicher Akzeptanz. In westlichen Ländern wie den USA oder Teilen Europas setzte das kommerzielle Wachstum dagegen erst ab den 2000er-Jahren ein – oft verbunden mit ethischen Debatten. Die Regulierung variiert stark: Während das Vereinigte Königreich und einige europäische Staaten Beschränkungen erlassen haben, vertritt Deutschland eine neutralere Haltung. Diese unterschiedlichen Ansätze reflektieren tiefere Einstellungen zu Sexualität, Technologie und persönlicher Freiheit.
Regeners aktuelle Projekte gehen über Sexpuppen hinaus: Sie erforscht auch True-Crime-Erzählungen, die Rolle von KI in romantischen Beziehungen sowie die symbolische Macht der Hände. Ihr interdisziplinärer Ansatz verbindet Technologie, Medien und menschliches Verhalten.
Der taz Queer Talk, moderiert vom taz-Redakteur Jan Feddersen, wird Regeners Erkenntnisse in Kooperation mit Queer Nations e.V. präsentieren. Feddersen, der die taz Talks und das taz lab kuratiert, wird die Diskussion leiten, wie diese Objekte kulturelle Grenzen herausfordern und gleichzeitig festigen.
Regeners Forschung zeigt, wie sich der Stellenwert von Sexpuppen in der modernen Gesellschaft wandelt – von untergründigen Kuriositäten zu etablierten Konsumgütern. Ihr Aufstieg wirft Fragen zu Intimität, Ethik und Regulierung auf. Der anstehende Talk bietet die Gelegenheit, diese Themen vor dem Hintergrund jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit vertieft zu erkunden.






