BP beschleunigt Umstrukturierung – Ölpreis klettert auf 112 Dollar pro Barrel
Jana FuchsBP beschleunigt Umstrukturierung – Ölpreis klettert auf 112 Dollar pro Barrel
BP beschleunigt interne Umstrukturierung – Ölpreis steigt auf knapp 112 Dollar pro Barrel
Der britische Energiekonzern BP treibt seine interne Umstrukturierung voran, während die Ölpreise auf fast 112 Dollar pro Barrel klettern. Das Unternehmen hat zudem seine Sparziele erhöht und große Desinvestitionen angekündigt, darunter den Verkauf einer deutschen Raffinerie. Analysten bewerten den Konzern nach den jüngsten finanziellen Weichenstellungen nun positiver.
Die globalen Ölmärkte erleben schwere Turbulenzen, nachdem Blockaden in der Straße von Hormus fast 20 Prozent der Öl- und Flüssiggastransporte (LNG) zum Erliegen gebracht haben. Der Preis für Brent-Rohöl stieg auf etwa 112 Dollar pro Barrel – ein Grund für BP, die Umstrukturierungspläne zu beschleunigen. Bis 2027 will das Unternehmen seine strukturellen Kosten um 6,5 bis 7,5 Milliarden Dollar senken, um die Bilanz zu stärken und die zukünftige Liquidität zu sichern.
Zudem hat sich BP zu Desinvestitionen in Höhe von 20 Milliarden Dollar bis 2027 verpflichtet, wobei bereits über 11 Milliarden Dollar realisiert wurden. Ein zentrales Geschäft ist der Verkauf der Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group. Die Anlage verarbeitet jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl; rund 1.800 Mitarbeiter wechseln zum neuen Eigentümer. Durch diesen Deal könnte BP bis zu 1,7 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten loswerden – ein Grund für die HSBC, ihre Bewertung von "Reduzieren" auf "Halten" anzuheben und das Kursziel zu erhöhen.
Gleichzeitig eskalieren die Arbeitskonflikte in BPs Raffinerie in Whiting, Indiana: Nach gescheiterten Tarifverhandlungen wurden 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte ausgeschlossen. Die Unternehmensführung betont, die Produktion bleibe weitgehend unbeeinträchtigt. Um die Lieferkettenengpässe zu entschärfen, erteilte die US-Regierung eine 60-tägige Ausnahme vom Jones Act, die ausländischen Schiffen den Transport von Gütern zwischen US-Häfen ermöglicht.
Seit dem Start der Umstrukturierung 2020 ist BPs Marktwert von rund 110 Milliarden Dollar Ende 2019 auf etwa 80 bis 90 Milliarden Dollar Anfang 2026 gesunken. Gründe für den Rückgang sind schwankende Ölpreise, eine schwächere Förderungssparte, geopolitische Spannungen und die finanzielle Belastung durch die Umstellung auf erneuerbare Energien.
Mit den jüngsten Kostensenkungs- und Verkaufsplänen will BP seine Finanzen in Zeiten hoher Ölpreise und Marktunsicherheiten stabilisieren. Der Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie und weitere Maßnahmen könnten die Schuldenlast verringern und die Cashflows verbessern. Dennoch bleibt der Börsenwert des Konzerns unter Druck – durch branchenweite Umbrüche und operative Herausforderungen.






