20 March 2026, 08:07

Wie Seemannslieder und Hans Albers die deutsche Seele prägten

Schwarze und weiße Gravur eines Segelboots mit Menschen an Bord, umgeben von Gebäuden und einem bewölkten Himmel, mit dem Text "1885 - Segeln auf dem Meer" unten.

Wie Seemannslieder und Hans Albers die deutsche Seele prägten

Die tiefe Verbindung zwischen deutscher Seefahrtskultur und Musik reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. In Häfen wie Kiel und Hamburg entstand die Tradition der Seemannslieder – der Matrosenlieder – zunächst unter den Arbeitern an den Kais und auf den Decks. Später entwickelten sich diese rauen Arbeitsgesänge zu ausgefeilten Choraufführungen und erlangten durch Filme und legendäre Stimmen wie die von Hans Albers Berühmtheit.

Für einen Schriftsteller begann der Klang des Meeres in der Kindheit. Aufgewachsen in der Nähe der Howaldtswerke-Werft in Kiel, hinterließen der tägliche Anblick der im Bau befindlichen Schiffe und das Dröhnen der Marineparaden während der Kieler Woche einen bleibenden Eindruck. Bald vermischte sich die Musik der Wellen mit den Klängen der Chöre – darunter ein tiefstimmiger Bass, der Kirchenlieder und Seemannshymnen gleichermaßen verkörperte.

Das goldene Zeitalter der deutschen Seemannslieder brach im frühen 20. Jahrhundert an. Der Lotsen-Gesangverein Hamburg, 1895 gegründet, wurde zum Hüter der Lieder von Lotsen und Seeleuten und führte alles auf – von Arbeitsgesängen bis zu sentimentalen Balladen. Unterdessen machte Hans Albers – wegen seiner blonden Haare auch blonder Hans genannt – diese Melodien zu nationalen Schätzen. In seinem Film Große Freiheit Nr. 7 von 1944 spielte er den Matrosen Hannes Kröger, zerrissen zwischen Liebe und der Sehnsucht nach dem Ozean. Als seine Zuneigung zu La Paloma unerwidert bleibt, heuert er auf der Padua an, Hamburgs letztem großen Segelschiff, um seinem Herzschmerz zu entfliehen.

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Dieses Schiff, die Padua, fährt noch heute – als russisches Schulschiff Kruzenshtern, der einzige verbliebene der legendären Flying P-Liner. Für die Reederei F. Laeisz gebaut, trugen ihre vier Masten einst Fracht in die ganze Welt. Für den Autor waren solche Schiffe mehr als nur Holz und Tauwerk; sie standen für Abenteuer. Ausländische Kriegsschiffe, die während der jährlichen Kieler Woche vor Kiel vor Anker gingen, ließen sein Herz höher schlagen, genau wie die Platten von Freddy Quinn, Lale Andersen und Albers, die sein Zuhause mit Geschichten fernab gelegener Häfen füllten.

Albers' Stimme, sanft und doch vom Wetter gezeichnet, machte Lieder wie La Paloma zu Hymnen einer ganzen Generation. Selbst die Mutter des Autors, die seine Fotos aufbewahrte, erlag dem Charme des Schauspielers. Doch die Tradition reichte tiefer als der Film. Nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich die Seemannschöre neu und verbanden alte Arbeitslieder mit harmonischen Arrangements. Der Bassist aus dem Kirchenchor des Autors, der auch beim Lotsen-Gesangverein sang, verkörperte diese Verbindung – zwischen Sakralem und Weltlichem, zwischen Land und Meer.

Von den Pfiffen der Werften bis zu den Serenaden der Leinwand lebt die maritime Musik Deutschlands als Geschichte und lebendige Kunst weiter. Der Lotsen-Gesangverein tritt noch immer in Hamburg auf, während die Kruzenshtern unter ihrem jahrhundertealten Rigg neue Mannschaften ausbildet. Für diejenigen, die mit dem Rhythmus der Gezeiten aufwuchsen – ob durch Filme, Feste oder die Platten der Eltern –, bleiben diese Lieder ein Kompass, der immer wieder zurück zum Wasser weist.

Quelle