Marathon-Theater erlebt triumphales Comeback auf deutschen Bühnen
Deutsches Theater feiert Rückkehr der Marathon-Aufführungen
Nach Jahren mit kürzeren, pausenlosen Stücken während der Pandemie besinnt sich die Theaterszene wieder auf opulente, immersive Inszenierungen. Das Publikum strömt zu diesen monumentalen Ereignissen – die Tickets für Festivals wie das Berliner Theatertreffen sind rasant ausverkauft.
Der Trend zu ultra-langen Theaterabenden ist nicht neu. Schon 1999 dauerte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele zwölf Stunden. Kürzlich brachte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen zeigt das Münchner KammerspieleWallenstein: Ein Festmahl in sieben Gängen – ein weiteres siebenstündiges Epos.
Die Pandemie hatte die Szene kurzzeitig verändert: Theater strichen Pausen und kürzten Vorstellungen, um Hygienevorgaben einzuhalten. Doch nun sehnen sich Regisseure und Zuschauer gleichermaßen nach groß angelegten, ungehasteten Erzählformen. Die Volksbühne Berlin wird bald Peer Gynt wiederbeleben – dessen erster Teil einst acht Stunden dauerte.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste ultra-lange Produktion 2007. Das Festival lädt jährlich zehn herausragende Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Trotz ihrer Länge ziehen diese Stücke ausverkaufte Häuser an. Der Deutsche Bühnenverein erfasst jedoch keine Statistiken zu Spieldauern.
Die Rückkehr des Marathon-Theaters spiegelt eine Sehnsucht nach intensiven, live erlebten Momenten wider. Produktionen von sechs Stunden und mehr sind mittlerweile fester Bestandteil großer Festivals. Da das Publikum bereit ist, sich auf diese ausgedehnten Abende einzulassen, zeigt der Trend keine Anzeichen von Erschöpfung.






