Krankenversicherung: Warum die Kluft zwischen privat und gesetzlich immer größer wird
Lea BraunKrankenversicherung: Warum die Kluft zwischen privat und gesetzlich immer größer wird
Krankenversicherungskosten in Deutschland vertiefen die Kluft zwischen privater und gesetzlicher Absicherung
In den vergangenen fünf Jahren haben die Unterschiede zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung in Deutschland weiter zugenommen. Während die Beiträge für private Versicherungen moderat stiegen, erhöhten sich die Abgaben für die gesetzliche Krankenversicherung stetig – sie liegen mittlerweile bei 15,8 Prozent des Einkommens. Die wachsenden Disparitäten bei Zugang und Bezahlbarkeit haben sowohl Gewerkschaften als auch Sozialverbände zu Reformforderungen veranlasst.
Zwischen 2021 und 2026 stiegen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung von 14,6 auf 15,8 Prozent des Bruttoeinkommens, getrieben durch höhere Gesundheitskosten und angepasste Beitragsbemessungsgrenzen. Die Prämien für private Krankenversicherungen entwickelten sich dagegen langsamer – doch ab Anfang 2026 drohen rund 60 Prozent der Versicherten deutliche Erhöhungen. Anders als in der gesetzlichen Versicherung richten sich die Kosten für private Tarife nicht nach dem Einkommen, was vor allem Rentner und ältere Patienten vor existenzbedrohende Belastungen stellt.
Ein zentraler Vorteil der privaten Absicherung bleibt der schnellere Zugang zu medizinischen Leistungen. Fast ein Drittel der gesetzlich Versicherten wartet länger als zwei Monate auf einen Facharzttermin, während privat Versicherte oft deutlich schneller einen Platz erhalten. Dieser Zeitvorteil ergibt sich aus dem direkten Zugang zu Spezialisten und verhandelten Tarifen, die Routinebehandlungen verbilligen – bei schweren Erkrankungen können die langfristigen Prämien jedoch stark ansteigen.
Die wachsende Spaltung im System führt zu Forderungen nach grundlegenden Reformen. Hans-Jürgen Urban von der IG Metall schlägt ein «Bürgerversicherungs»-Modell vor, das durch kollektive Finanzierung eine universelle Absicherung ermöglichen soll. Verena Bentele, Vorsitzende des Sozialverbands VdK, unterstützt ein einheitliches gesetzliches System, das die Kosten gerechter verteilt. Auch die SPD hatte vor der letzten Wahl eine «solidarische Bürgerversicherung» gefordert, um die Finanzierung zu vereinheitlichen.
Die Trennung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung in Deutschland wirkt sich zunehmend auf Bezahlbarkeit und Zugang aus. Da die Prämien für private Versicherungen 2026 stark steigen werden und die Beiträge zur gesetzlichen Versicherung bereits angestiegen sind, wächst der Druck auf eine Reform. Gewerkschaften und Sozialverbände setzen sich weiterhin für ein einheitliches System ein – konkrete politische Änderungen stehen jedoch noch aus.






