Hambacher Loch wird 2030 zum See – doch die Risiken bleiben umstritten
Pläne, das Braunkohletagebaugebiet Hambach ab 2030 mit Rheinwasser zu fluten, sorgen für Begeisterung wie auch Bedenken. Das vom Energiekonzern RWE geleitete Vorhaben sieht vor, die ehemaligen Kohlegruben in den kommenden vier Jahrzehnten in Erholungsseen umzuwandeln. Kritiker warnen jedoch vor möglichen Risiken für die Wasserqualität und langfristigen Umweltfolgen.
Die Flutung beginnt 2030 im Tagebau Hambach, gefolgt von Garzweiler 2036 und der Grube Inden im selben Jahr. Eine 45 Kilometer lange Pipeline, bestehend aus 10.000 Rohren mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern, soll Rheinwasser in die stillgelegten Gruben leiten. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete das Projekt als Zeichen von "Zuverlässigkeit und Zukunftschancen" und betonte das Potenzial für neue Seen, den Schutz von Feuchtgebieten sowie die Förderung von Tourismus und lokalen Arbeitsplätzen.
Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller erwartet, dass der geplante "Elsdorfer See" seiner Gemeinde mehr Aufmerksamkeit verschaffen wird. Doch nicht alle blicken optimistisch in die Zukunft. Umweltverbände wie der BUND und "Alle Dörfer bleiben" hinterfragen die Sicherheit der Umwandlung von Kohlegruben in Seen. Sie verweisen auf die rund 30.000 chemischen Verbindungen im Rhein – viele davon kaum erforscht – und warnen, dass Pyrit in den Abraumhalden das Grundwasser dauerhaft mit Sulfat belasten könnte.
RWE hat zwar bereits Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipelinebau erhalten, doch die endgültige Freigabe zur Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach steht noch aus. Stand Ende Januar 2026 lag lediglich die Baugenehmigung für die Pipeline durch den Kreis Arnsberg vor. Eine Entscheidung über die Wassereinleitung wird frühestens im Herbst 2026 erwartet.
Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative "Bürger für Bürger" befürchtet, RWE verfolge mit dem Projekt eine "Premium-Strategie", die es dem Konzern ermöglichen könnte, sich später aus der Verantwortung zu stehlen. Zudem äußert er Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität und der Sicherheit von Besuchern, falls die gefluteten Gruben für die Freizeitnutzung freigegeben werden.
Die Flutung des Tagebaus Hambach wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, gefolgt von weiteren Jahrzehnten, in denen kontinuierlich Rheinwasser zugeführt werden muss. Während RWE das Vorhaben als wirtschaftliche und ökologische Chance bewirbt, fordern Kritiker eine lückenlose Überwachung. Der Erfolg des Projekts hängt letztlich von behördlichen Entscheidungen und der fortlaufenden Kontrolle von Wasserqualität und Sicherheit ab.






