15 April 2026, 14:11

Einsamkeit und Statusverlust: Wie Deutschlands erste Gastarbeitergeneration altert

Eine Zeichnung eines mehrstöckigen Gebäudes mit zahlreichen Fenstern und einem Schornstein, das als psychiatrische Klinik in Deutschland identifiziert wurde, begleitet von handgeschriebenem Text auf demselben Papier.

Einsamkeit und Statusverlust: Wie Deutschlands erste Gastarbeitergeneration altert

Vor über 60 Jahren begann Deutschland, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, um den Arbeitskräftemangel zu beheben. Viele kamen mit dem Plan, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren – doch blieben sie stattdessen jahrzehntelang. Heute warnen Expert:innen, dass ältere Migrant:innen oft mit Einsamkeit und psychischen Problemen kämpfen, während sie in einem Land altern, das sich lange weigerte, sich als Einwanderungsland zu begreifen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

In den 1960er-Jahren holte Deutschland Arbeitskräfte wie die Eltern von Fatih Çevikkollu ins Land – einen ausgebildeten Schlüsseldienstfachmann aus Adana und eine ehemalige Grundschullehrerin –, um den Wiederaufbau der Wirtschaft zu unterstützen. Seine Mutter arbeitete später als Näherin, ein Berufswechsel, den Forscher:innen als "Statusverlust" beschreiben. Ursprünglich ging die Regierung davon aus, dass diese "Gastarbeiter:innen" wieder ausreisen würden, und bot weder Integrationshilfen noch Sprachkurse an.

Erst in den 1970er-Jahren änderte sich die Politik, als der Arbeitskräftemangel Deutschland zwang, das Rotationsprinzip aufzugeben. Doch jahrzehntelang bestritt das Land offiziell, ein Einwanderungsland zu sein – erst 2005 erkannte es diese Realität an. Heute leiden viele ältere Migrant:innen unter Isolation und unbehandelten psychischen Erkrankungen. Dr. Uwe Johansson und Dr. Gürsel Çapanoğlu betonen, dass Einsamkeit in dieser Gruppe weit verbreitet ist, verschärft durch kulturelle Unterschiede im Gesundheitswesen.

Fatih Çevikkollus Mutter entwickelte beispielsweise wahrscheinlich in ihren späteren Jahren eine Psychose, während sie allein lebte. Unterschiedliche kulturelle Vorstellungen von Krankheit verzögern oder erschweren oft die Behandlung. Um dem entgegenzuwirken, eröffnete die LWL-Klinik Dortmund vor etwa fünf Jahren eine interkulturelle ambulante Sprechstunde, die kultursensible psychologische Betreuung anbietet.

Die Herausforderungen, vor denen ältere Migrant:innen stehen, spiegeln Deutschlands zögerlichen Wandel in der Einwanderungspolitik wider. Kliniken wie die in Dortmund bieten zwar maßgeschneiderte Unterstützung an, doch Expert:innen fordern mehr Engagement. Ohne gezielte Hilfe riskieren viele Migrant:innen der ersten Generation, ihre letzten Jahre isoliert und ohne angemessene Versorgung zu verbringen.

Quelle