Warum junge Männer zwischen Feminismus und Rechtsextremismus schwanken
In Deutschland entfacht sich eine zunehmend hitzige Debatte über junge Männer, Männlichkeit und politische Einstellungen. Vor zwanzig Jahren trug Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne Kritik Pink – heute sind Diskussionen über Geschlechterrollen und Extremismus weitaus aufgeladener. Aktuelle Äußerungen von Politikern und Prominenten zeigen, wie sich die Haltung verändert – und welche Sorgen es über den Platz junger Männer in der modernen Gesellschaft gibt.
An Fahrt gewann die Diskussion, nachdem Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, offen über die Verantwortung von Männern im Kampf gegen Gewalt an Frauen gesprochen hatte. Seine Worte folgten Vorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen den Schauspieler Christian Ulmen. Banaszak gab zu, sich für das mitschuldige Verhalten vieler Männer zu schämen, und rief dazu auf, eigene Privilegien zu hinterfragen. In einem Playboy-Interview argumentierte er zudem, starre Geschlechterklischees schadeten nicht nur Frauen, sondern auch Männern – und betonte, dass diese ein Interesse an feministischen Anliegen haben sollten.
Banaszaks eigene Vorliebe für Pink – sein Büro ist in der Farbe gestrichen – steht im Kontrast zu veralteten Klischees. Doch nicht alle jungen Männer teilen seine progressive Haltung. Bei der Bundestagswahl 2021 wählten Männer unter 24 Jahren häufiger die rechtsextreme AfD als gleichaltrige Frauen. Vor der Europawahl 2024 ging der AfD-Politiker Maximilian Krah sogar so weit zu behaupten, ledige junge Männer sollten „nach rechts“ tendieren, um leichter Partnerinnen zu finden.
Die Grünen suchen nun nach Wegen, junge Männer zu erreichen, bevor sie in extremistische Milieus abdriften. Der grüne Politiker Sven Lehmann warnte, traditionelle Männlichkeitsbilder stünden im Widerspruch zu den Werten der Partei und machten einige Männer anfällig für die rechtspopulistischen Kulturkämpfe. Der Europaabgeordnete Rasmus Andresen schlug vor, junge Männer auf gemeinsamer Grundlage anzusprechen und grüne Politik mit ihren Interessen zu verknüpfen. Die Partei erwägt zudem neue Formate, etwa ein eigenes Forum, um offene Gespräche unter Männern zu fördern.
Die Debatte spiegelt die größeren Spannungen um Männlichkeit, Politik und gesellschaftlichen Wandel wider. Während Figuren wie Banaszak für einen progressiven Dialog werben, zeigen Wahlergebnisse eine Spaltung unter jungen Männern. Die Bemühungen der Grünen, Räume für Austausch zu schaffen, könnten mitbestimmen, wie sich diese Themen in den kommenden Jahren entwickeln.






