Presse-Grosso-Streit eskaliert: Verlage setzen auf zentralen Großhändler bis 2027
Lea BraunPresse-Grosso-Streit eskaliert: Verlage setzen auf zentralen Großhändler bis 2027
Ein Rechtsstreit um die Zukunft des deutschen Pressevertriebssystems entbrennt. Verlage haben Verträge mit regionalen Großhändlern gekündigt – und damit scharfe Kritik von Branchenverbänden ausgelöst. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Pläne, die bisherigen 13 Großhändler bis 2027 durch einen zentralen Anbieter zu ersetzen.
Die FFF-Allianz, unterstützt von großen Verlagen, will die Presse-Grosso-Allianz (PGA) als einzigen Großhändler in Deutschland etablieren. Im neuen System bleiben nur noch vier Unternehmen als Systempartner übrig, während das aktuelle Netz aus 13 regionalen Betreibern abgebaut wird. Das Landgericht Dortmund hat kürzlich zugunsten der Allianz entschieden und einstweilige Verfügungen der Großhändler PDG und Lütkemeyer abgelehnt.
Der Bundesverband Presse-Grosso verurteilte die Kündigungen als gezielten Angriff auf einen unabhängigen Wirtschaftsbereich. PDG und Lütkemeyer kündigten an, die Umstrukturierung mit allen rechtlichen Mitteln zu bekämpfen – darunter ein geplanter Stopp der Reformen bis Sommer 2023. Ähnliche Klagen sind noch bei anderen Gerichten anhängig, in denen Großhändler gegen die Vertragsbeendigungen vorgehen.
Das Bundeskartellamt hat sich bisher nicht eingemischt und verwies auf Anpassungen, die die Verlage an ihren Plänen vorgenommen hätten. Trotz des juristischen Widerstands bekräftigte die FFF-Allianz ihr Vorhaben: Das neue System soll 2027 an den Start gehen.
Die Gerichtsentscheidung ermöglicht der Allianz vorerst die Umsetzung ihres zentralisierten Modells. Die Großhändler setzen ihre Klagen fort, um ihre Position in der Vertriebskette zu verteidigen. Die Ergebnisse der noch ausstehenden Verfahren könnten die Zukunft der Presse-Logistik in Deutschland maßgeblich prägen.
