Kriminelles Netzwerk entsorgt tausende Tonnen Giftmüll illegal in NRW
Großrazzia in Nordrhein-Westfalen deckt kriminelles Netzwerk für illegale Entsorgung von Sondermüll auf
Eine umfangreiche Ermittlung in Nordrhein-Westfalen hat ein kriminelles Netzwerk aufgedeckt, das über die gesamte Region hinweg illegal gefährlichen Abfall entsorgt hat. Seit anderthalb Jahren verfolgen die Behörden einen 63-jährigen Abfallhändler aus Unna, dem nun vorgeworfen wird, illegale Deponien betrieben, gefährliche Stoffe ohne Genehmigung behandelt und organisierten Betrug begangen zu haben. Die Ermittlungen förderten großangelegte illegale Entsorgungen zutage, darunter tausende Tonnen belasteter Erde und giftiger Substanzen an mehreren Standorten.
Der Beschuldigte, der bereits wegen Bestechung und Steuerhinterziehung vorbestraft ist, soll seit mindestens Januar 2024 ein System betrieben haben, in dem gefährlicher Abfall angenommen, vermischt und umetikettiert wurde, um ihn illegal zu entsorgen. Bei einer Durchsuchung seines Anwesens beschlagnahmten die Ermittler 120.000 Euro in bar, 200 Gramm Gold sowie weitere Wertgegenstände, die in seinem Auto versteckt waren. Zu seinen früheren Straftaten zählt die Beteiligung an der illegalen Ablagerung von 25.000 Tonnen Ölpellets in Schermbeck zwischen 2010 und 2013.
Aktuelle Funde deuten auf eine flächendeckende Verseuchung hin. Rund 23.000 Tonnen belasteter Erde wurden auf einem Gewerbegelände in Selfkant illegal abgelagert, eine ähnliche Menge wird in Kamp-Lintfort vermutet. Auch der Tagebau Garzweiler soll betroffen sein. Mehrere Entsorgungs-, Transport- und Baufirmen gerieten unter Verdacht, in das Netzwerk verwickelt zu sein.
Als Reaktion leitet die Stadt Gelsenkirchen nun Schritte ein, um Hersteller und Lieferanten nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz für die Abfallentsorgung zur Verantwortung zu ziehen.
Die Ermittlungen dauern an, während die Behörden das volle Ausmaß der illegalen Machenschaften aufklären. Dem Hauptbeschuldigten drohen schwere Anklagen, und auch mit dem Netzwerk in Verbindung stehende Unternehmen könnten strafrechtlich verfolgt werden. Gleichzeitig bleiben betroffene Flächen – darunter Industrie- und Bergbaugebiete – wegen möglicher Umweltschäden unter Beobachtung.