28 April 2026, 08:10

Karenztage: Warum die Debatte um Lohnkürzungen bei Krankheit polarisiert

Plakat mit einem hellblauen Hintergrund, das verschiedene strahlende Menschen und fetten schwarzen Text zeigt, der "Dreimal so viele Arbeitsplatzgesundheitsjobs" liest.

Karenztage: Warum die Debatte um Lohnkürzungen bei Krankheit polarisiert

Die Debatte über die Wiedereinführung von Karenztagen – Tagen ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – hat heftige Reaktionen bei Politikern, Gesundheitsexperten und Arbeitnehmern ausgelöst. Vorschläge von Denkfabriken wie dem ZEW und dem Kronberger Kreis sehen in solchen Wartezeiten ein Mittel zur Steigerung der Effizienz. Doch der Widerstand formierte sich schnell: Kritiker warnen, dass ein solcher Schritt sowohl Arbeitnehmern als auch Unternehmen schaden könnte.

Die Idee, Karenztage wieder einzuführen, gewann an Fahrt, nachdem ZEW und Kronberger Kreis sie als Möglichkeit präsentierten, das System zu verschlanken. Doch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann lehnte den Vorschlag umgehend ab und sprach sich gegen eine Abschaffung des Krankengeldanspruchs aus. Seine Haltung deckt sich mit Bedenken der Techniker Krankenkasse (TK), deren Vorstandsvorsitzender Jens Baas warnte, dass Kürzungen bei der Lohnfortzahlung Arbeitnehmer dazu bringen könnten, notwendige Arztbesuche hinauszuzögern – was letztlich die Fehlzeiten noch erhöhen würde.

Die Unterstützung für die Beibehaltung der aktuellen Regelungen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist breit. Eine TK-Studie mit dem Titel #whatsnext ergab, dass zwei Drittel der Befragten gegen eine Kürzung der Krankengeldleistungen sind. Arbeitnehmer betonten zudem den Bedarf an einer einfühlsamen Führungskultur, die ihre Gesundheit in den Vordergrund stellt, statt Krankheit zu bestrafen.

Jenseits der politischen Diskussion setzen Unternehmen auf einen anderen Ansatz. Statt die Lohnfortzahlung zu kürzen, investieren viele in bessere Arbeitsbedingungen und eine Vertrauenskultur. Das Arbeitsministerium NRW fördert diesen Wandel und wirbt für gesundheitsorientierte Betriebsrichtlinien. Die Personalexpertin Magdalena Rogl kritisierte die einseitige Fixierung auf die Lohnfortzahlung und rief Unternehmen dazu auf, Fehlzeiten durch kulturellen Wandel statt durch finanzielle Sanktionen zu verringern.

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Rechtliche Hürden erschweren die Umsetzung zusätzlich. Jeder Versuch, Karenztage einzuführen, würde ein neues gesetzliches Rahmenwerk erfordern – eine schnelle Einführung ist daher unwahrscheinlich. Aktuell scheint die politische Debatte Arbeitgeber eher in Richtung unterstützender, gesundheitsbewusster Maßnahmen zu lenken.

Der Vorstoß für Karenztage stößt bei Politikern, Krankenkassen und Arbeitnehmern auf Widerstand. Ohne gesetzliche Änderungen bleibt der Vorschlag vorerst blockiert, während Unternehmen weiterhin auf Vertrauen und Wohlbefinden setzen statt auf Sparmaßnahmen. Die Diskussion hat jedoch die Bemühungen beschleunigt, Arbeitsbedingungen zu verbessern und Fehlzeiten durch unterstützende Maßnahmen zu reduzieren.

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