Joey Skaggs' absurder Aprilscherz-Umzug feiert 35 Jahre Satire auf der Fifth Avenue
Lea BraunJoey Skaggs' absurder Aprilscherz-Umzug feiert 35 Jahre Satire auf der Fifth Avenue
Seit über 35 Jahren verwandelt Joey Skaggs jedes Jahr am 1. April die New Yorker Fifth Avenue in eine Bühne des Absurden. Sein jährlicher Umzug, der seit 1986 stattfindet, verbindet Satire mit Spektakel und lädt die Zuschauer ein, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Die diesjährige Veranstaltung führt die Tradition fort und ermutigt die Teilnehmer, über Autoritäten zu lachen, während die Grenze zwischen Streich und Protest verschwimmt.
Skaggs begann seine Karriere als ernsthafter Künstler, wandte sich jedoch aufwendigen Scherzen zu, nachdem er von der Heuchelei der Kunstwelt frustriert war. Heute nutzt er die Medien wie eine Leinwand und inszeniert Aktionen, die zeigen, wie leicht sich Institutionen und Publikum täuschen lassen. Seine früheren Umzüge umfassten unter anderem einen Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb und eine Y2K-Apokalypse-Party – Veranstaltungen, die mit Humor auf öffentliche Ängste anspielen.
Die Tradition hochkarätiger Aprilscherze reicht Jahrzehnte zurück. 1957 täuschte die BBC Zuschauer mit einem gefälschten Bericht über Schweizer Bauern, die Spaghetti von Bäumen ernteten. 1977 erfand The Guardian die fiktive Inselnation San Serriffe, eine Satire auf Kolonialismus und Typografie. Auch Fast-Food-Ketten beteiligten sich: Burger Kings Werbung für den "Links-händigen Whopper" 1998 hinterfragte die Konsumkultur, während Taco Bells Behauptung von 1996, die Liberty Bell gekauft zu haben, die Macht von Konzernen auf die Schippe nahm.
Skaggs ist nicht der Einzige, der die Glaubwürdigkeit der Medien auf die Probe stellt. 1985 veröffentlichte Sports Illustrated eine Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, einen fiktiven Pitcher der Mets, der angeblich 270 km/h warf, obwohl er nie Baseball gespielt hatte. Jahre später, 1998, gab David Bowie eine Party zur Buchvorstellung eines nicht existierenden britischen Autors, William Boyd – ein weiterer Beweis dafür, wie leicht erfundene Geschichten Glauben finden.
Trotz der pompösen Pressemitteilungen ist der Umzug selbst meist bescheiden – weit kleiner, als angekündigt. Doch seine Botschaft bleibt klar: Er feiert die Narrheit und erinnert das Publikum daran, Autoritäten zu hinterfragen, wenn auch nur für einen Tag.
Der diesjährige Umzug fordert die Teilnehmer erneut heraus, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden. Zwar mag die Veranstaltung nicht den Umfang haben, den die Pressemitteilungen suggerieren, doch ihre Wirkung bleibt in den Fragen bestehen, die sie aufwirft. Skaggs' Werk und Jahrzehnte voller Medienstreiche halten eine Tradition des Skeptizismus am Leben – und das Recht, über die Mächtigen zu lachen.






