HKM in Duisburg entgeht knapp der Schließung – doch die Zukunft bleibt ungewiss
Jana FuchsHKM in Duisburg entgeht knapp der Schließung – doch die Zukunft bleibt ungewiss
Die Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg hat eine entscheidende Wende genommen, nachdem das Werk nur knapp einer Schließung entgangen ist. Die Salzgitter AG hat den Standort übernommen und sorgt damit vorerst für Erleichterung bei den Beschäftigten und der Stadt. Gleichzeitig vollzieht die deutsche Stahlindustrie einen Wandel hin zu grünerer Produktion – große Konzerne investieren massiv in Wasserstofftechnologien, um ihre Emissionen zu senken.
Seit Jahrzehnten prägt die Stahlproduktion das Leben in Duisburg. In den Hochöfen der HKM glüht flüssiges Eisen, jedes Jahr werden hier über vier Millionen Tonnen Stahl produziert. Die Anlagen erleuchten den Nachthimmel, manchmal in einem gelblichen Schimmer, der über der Stadt liegt. Dieser industrielle Puls ist so tief verwurzelt, dass selbst Polizisten stolz Mützen mit der Aufschrift Stahlkind tragen – ein Symbol für die Identität der Stadt.
Doch die Zukunft der HKM war lange ungewiss. Thyssenkrupp, der Mehrheitseigner, drängte auf einen schnellen Verkauf seiner Anteile und bot finanzielle Unterstützung für die Umstellung des Werks an. Die nun unter strengen Auflagen abgeschlossene Vereinbarung mit der Salzgitter AG hat die Ängste vorerst gemildert. Beschäftigte, Gewerkschaften und lokale Politiker begrüßten den Deal als entscheidenden Schritt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den Übergang zu einer klimaneutralen Produktion zu schaffen.
Die gesamte deutsche Stahlbranche setzt bereits auf grüne Technologien. Seit Ende 2023 stellen Unternehmen wie Salzgitter AG, Thyssenkrupp Steel und die Stahl-Holding-Saar ihre Werke um, um mit Wasserstoff grünen Stahl zu produzieren. Das Programm SALCOS® von Salzgitter, gefördert mit 322 Millionen Euro, soll bis 2027 das erste wasserstoffbetriebene Werk in Betrieb nehmen. Andere setzen auf Lichtbogenöfen (EAF) in Kombination mit wasserstoffbasierter Direktreduktion (DRI), um CO₂-Emissionen vollständig zu vermeiden. Ob Standorte wie die HKM langfristig überleben können, hängt vom Erfolg dieser Projekte ab.
Für viele Menschen in Duisburg ist das Stahlwerk mehr als nur ein Arbeitsplatz. Joachim Hopp, einst Fußballer beim MSV Duisburg, vereinte Schichten im Werk mit seiner Sportkarriere – ein echter Malocher, der den Fleiß der Stadt verkörpert. Selbst in alltäglichen Gesprächen, wie denen von Ahmet und Murat vor einem Kiosk im Stadtteil Hüttenheim, geht es schnell vom Fußball zur Sorge um das Schicksal der HKM. Das Überleben oder der Niedergang des Werks wird Arbeitsplätze, Familien und den Charakter der gesamten Stadt prägen.
Eine unmittelbare Schließung der HKM ist zwar abgewendet, doch ihre langfristigen Perspektiven hängen von zwei Faktoren ab: den Entscheidungen der Eigentümer und dem Gelingen des Umstiegs auf CO₂-neutrale Stahlproduktion. Wie sich Kapazitäten und Beschäftigtenzahlen während des Branchenwandels entwickeln, bleibt ungewiss. Für Duisburg, eine Stadt, die auf Stahl gebaut ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen, ob ihr industrielles Herz auch in einer grüneren Zukunft weiterschlagen kann.