Großkonzerne setzen auf recycelte Kunststoffe und Pyrolyseöl für klimafreundliche Produktion
Jana FuchsGroßkonzerne setzen auf recycelte Kunststoffe und Pyrolyseöl für klimafreundliche Produktion
Große Chemie- und Verpackungsunternehmen setzen zunehmend auf recycelte und biobasierte Materialien, um ihre CO₂-Emissionen zu senken und strengere EU-Vorgaben zu erfüllen. Das Werk INEOS Olefins & Polymers im französischen Lavera hat kürzlich die erste Lieferung von Pyrolyseöl erhalten – einem Rohstoff, der aus Kunststoffabfällen gewonnen wird. Damit macht das Unternehmen einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltigerer Produktion.
Auch andere Konzerne haben ähnliche Projekte vorgestellt: Sie kombinieren recycelte Kunststoffe mit erneuerbaren Ressourcen, um herkömmliche, erdölbasierte Materialien zu ersetzen. INEOS plant, das Pyrolyseöl für die Herstellung recycelter Polymere einzusetzen, die in der Lebensmittel-, Medizin- und Sensitivverpackungsbranche verwendet werden. Ab 2030 schreiben EU-Regelungen vor, dass diese Sektoren mindestens 10 Prozent Recyclinganteil in ihren Produkten nachweisen müssen. Das Vorgehen des Unternehmens passt damit in den branchenweiten Trend zu kreislauforientierten Lösungen.
Gleichzeitig haben Elopak, Orkla Home and Personal Care (OHPC) und Dow eine neue Kartonserie auf den Markt gebracht. Diese besteht zu 30 Prozent aus mechanisch recyceltem Polyethylen und zu 70 Prozent aus biozirkulären Polymeren – Materialien, die aus Abfällen wie pflanzlichen Ölresten stammen.
Henkel und LyondellBasell wiederum haben gemeinsam den Kunststoffkäfig für Henkels WC-Frisch-/Bref-Toilettenrandblöcke neu gestaltet. Ihre Lösung ist Teil des CirculenRenew-Portfolios von LyondellBasell und nutzt ein Massenbilanzverfahren, um die Emissionen zu reduzieren. Das Unternehmen gibt an, dass seine CirculenRenew-Polypropylen-Typen im Vergleich zu erdölbasierten Alternativen den CO₂-Fußabdruck um bis zu 44 Prozent verringern.
Der Wandel beschränkt sich nicht auf Verpackungen: Auch Bayer und Danone haben ehrgeizige Ziele gesetzt. Bayer strebt an, bis 2030 die Hälfte seiner Verpackungen aus recycelten Materialien herzustellen, während Danone im Rahmen der Ellen-MacArthur-Stiftung vollständig auf kreislauffähige Verpackungen umstellen will. Bereits 2021 gab Danone bekannt, dass 84 Prozent seiner Verpackungen recycelbar oder kompostierbar seien.
Auf der K 2025, der Weltleitmesse für Kunststoffe und Kautschuk in Düsseldorf (8. bis 15. Oktober), werden Henkel und LyondellBasell ihre neuesten Innovationen präsentieren. Ihre Produkte sind als "Drop-in"-Lösungen konzipiert – sie bieten dieselbe Leistung wie herkömmliche Kunststoffe, jedoch mit geringeren CO₂-Emissionen.
Die Umstellung auf recycelte und biobasierte Materialien gewinnt an Fahrt, da sich Unternehmen auf verschärfte EU-Vorschriften vorbereiten. Ansätze wie Pyrolyseöl oder massenbilanzierte Polymere werden bereits in der Praxis erprobt. Mit Blick auf geringere Emissionen und rechtliche Vorgaben könnten diese Entwicklungen in den kommenden Jahren die Beschaffung und Nutzung von Kunststoffen in der Industrie grundlegend verändern.






