Forscher entschlüsseln, wie Lebensstil chronische Entzündungen auslöst und Krankheiten fördert
Lea BraunForscher entschlüsseln, wie Lebensstil chronische Entzündungen auslöst und Krankheiten fördert
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die zweite Förderphase für den Sonderforschungsbereich (SFB) 1454 mit dem Titel „Metaflammation und zelluläre Programmierung“ bewilligt. Der am Standort der Universität Bonn angesiedelte Verbund untersucht, wie moderne Lebensstile anhaltende, niedriggradige Entzündungen – sogenannte Metaflammation – auslösen und welche Rolle diese bei Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und neurodegenerativen Störungen spielen.
Im Fokus der Forschenden steht nun die Frage, warum Immunzellen während einer Entzündung eine lebenswichtige Aminosäure verlieren und wie diese Veränderung ihr Verhalten beeinflusst.
Ein westlicher Lebensstil – geprägt von Überkonsum, Bewegungsmangel und Umweltbelastungen – begünstigt chronische Entzündungsprozesse, die als Metaflammation bekannt sind. Diese stille, langfristige Reaktion liegt vielen Volkskrankheiten zugrunde, von metabolischem Syndrom bis hin zu Alzheimer. Der SFB verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und untersucht, wie Zellen und Moleküle auf diese Stressfaktoren fehlerhaft reagieren.
Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass entzündete Makrophagen – eine Art von Immunzellen – stark verringerte Werte der Aminosäure Aspartat aufweisen. Diese scheint entscheidend für die Regulation von Entzündungen zu sein, insbesondere bei der Produktion von Stickstoffmonoxid (NO), einem Molekül, das an Immunreaktionen beteiligt ist. In der nächsten Phase werden die Wissenschaftler:innen diese Verbindung vertieft erforschen.
Forschende der Technischen Universität Braunschweig spielen eine zentrale Rolle im Projekt. Ihre Arbeit auf den Gebieten Immunmetabolismus und hochauflösende Massenspektrometrie hilft dabei, die Verflechtung von Stoffwechsel und Entzündung zu entschlüsseln. Durch die Analyse von Zellen, Geweben und Körperflüssigkeiten identifizieren sie winzige Moleküle, die verborgene Zusammenhänge zwischen Ernährung, Lebensweise und Krankheiten aufdecken.
Die Universität ist an zwei großen Teilprojekten beteiligt, darunter die Entdeckung von Mesaconat – einer neu identifizierten entzündungshemmenden Verbindung in Immunzellen. Ihre führende Rolle bei der metabolischen Profilierung liefert dem SFB zudem essentielle Daten, die dabei helfen, zu verstehen, wie der Stoffwechsel Entzündungen antreibt oder abschwächt.
Mit der gesicherten DFG-Förderung wird das Team nun untersuchen, ob die Wiederherstellung des Aspartat-Spiegels die Fehlfunktion von Immunzellen korrigieren könnte. Die Ergebnisse könnten neue Ansatzpunkte für die Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen liefern, die mit modernen Lebensgewohnheiten zusammenhängen.
Die zweite Förderphase ermöglicht es dem SFB, seine Untersuchungen zur Rolle von Aspartat im Verhalten von Immunzellen auszuweiten. Durch die Kombination von metabolischer Profilierung und Immunologie streben die Forschenden an, neue Wege zu finden, um den Teufelskreis der Metaflammation zu durchbrechen.
Ihre Arbeit könnte langfristig zu Therapien führen, die die Ursachen lebensstilbedingter Erkrankungen bekämpfen – von kardiovaskulären Problemen bis hin zu entzündlichen Prozessen, die durch Adipositas ausgelöst werden.






