Anna Netrebko triumphiert in Berliner Ballo-Premiere – trotz Proteste vor der Tür
Lea BraunAnna Netrebko triumphiert in Berliner Ballo-Premiere – trotz Proteste vor der Tür
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verbindet Verdis Klassiker mit Themen der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise. Doch außerhalb des Theaters kam es am Premierenabend zu Protesten gegen Netrebkos Auftritt.
Die Vorstellung markierte Netrebkos Rückkehr an die Staatsoper nach mehreren Jahren. In der Rolle der Amelia in Verdis Oper erntete sie begeisterten Applaus des Publikums. Dennoch gab es auch vereinzelte Buhrufe, die die anhaltenden Kontroversen um die Star-Sängerin widerspiegelten.
Draußen versammelten sich etwa 50 Demonstranten mit ukrainischen Fahnen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, steht wegen ihrer früheren Verbindungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin und öffentlicher Auftritte in Moskau in der Kritik. Intendantin Elisabeth Sobotka betonte jedoch, die Sopranistin habe sich seitdem von Russland distanziert und sei seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht mehr dorthin zurückgekehrt.
Die Inszenierung selbst wurde für ihre musikalischen und gesanglichen Leistungen begeistert gefeiert. Villalobos' Regie setzte mit auffälligen visuellen Bezügen zur queeren Geschichte und der AIDS-Epidemie eine moderne Schicht über die Oper des 19. Jahrhunderts. Trotz der Proteste war die Vorstellung ausverkauft – ähnlich wie bei Netrebkos Rückkehr im März 2026 für Nabucco, wo sie ebenfalls sowohl Beifall als auch Demonstrationen erntete.
Ihr letzter Auftritt an der Staatsoper vor dieser Spielzeit lag Jahre zurück. Seither hat sich die deutsche Kulturszene gewandelt: Proteste vor dem Haus sind bei ihren Auftritten mittlerweile zur Regel geworden. Doch im Inneren füllen weiterhin begeisterte Zuschauer die Ränge, um eine der größten Stars der Opernbühne zu erleben.
Die Premiere von Un ballo in maschera zeigte die Spannung zwischen künstlerischer Feier und politischem Protest. Während Netrebkos Darstellung Applaus erhielt und die mutigen Themen der Inszenierung Diskussionen auslösten, unterstrichen die Kundgebungen draußen die anhaltenden Spannungen wegen ihrer Russland-Verbindungen. Das Weihnachtsprogramm der Staatsoper geht nun mit einer ausverkauften Serie weiter – zwischen Begeisterung und Kontroverse.






