08 June 2026, 20:05

Alfred Grosser – ein Leben für die deutsch-französische Freundschaft ist zu Ende

Bürgermeister Tim Kurzbach gedenkt des Intellektuellen Alfred Grosser (†99)

Alfred Grosser – ein Leben für die deutsch-französische Freundschaft ist zu Ende

Alfred Grosser, der renommierte Politikwissenschaftler und unermüdliche Vorkämpfer der deutsch-französischen Aussöhnung, ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Mit scharfem Verstand und einem unerschütterlichen Engagement für die Freundschaft zwischen einstigen Feinden hinterlässt er ein Erbe des Dialogs und des gegenseitigen Verständnisses. Für seine Verdienste um die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland wurde er 1987 mit dem Preis „Scharfes Schwert“ ausgezeichnet.

Geboren 1925, widmete Grosser sein Leben der Politikwissenschaft, Soziologie und der öffentlichen Debatte. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Ausgestaltung des Élysée-Vertrags, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland festigte. Sein Wirken beschränkte sich jedoch nicht auf die Politik – er glaubte daran, dass ehemalige Gegner durch offenen Austausch zu Partnern werden können.

1987 reiste er nach Solingen, um mit Studierenden über „Französische und deutsche Jugend in Gesellschaft und Politik“ zu sprechen. Im selben Jahr erhielt er den „Scharfes Schwert“-Preis für sein lebenslanges Eintreten für gegenseitiges Verständnis. Manche nannten ihn einen Provokateur, weil er dazu aufforderte, sich mit gegensätzlichen Standpunkten auseinanderzusetzen, statt sie beiseitezuschieben.

Grosser wich nie vor schwierigen Themen zurück. Als entschiedener Kritiker der israelischen Politik betonte er stets, dass Menschenrechte nicht verhandelbar seien. Seine klaren, direkten Worte und sein Appell an Freundschaft fanden bei vielen Gehör – darunter auch bei Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der später seine Verdienste um die Überwindung von Gräben würdigte.

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Sein Ansatz war simpel: Versöhnung braucht Ehrlichkeit, nicht Schweigen. Ob in Vorlesungen, Schriften oder öffentlichen Debatten – er ermahnte die Menschen, zuzuhören, zu hinterfragen und Verbindungen zu knüpfen.

Mit Alfred Grossers Tod endet eine Ära für alle, die seine Klarheit und Überzeugung schätzten. Sein Wirken legte den Grundstein für engere Beziehungen zwischen Nationen und Gemeinschaften. Schulen, Politiker und Aktivisten werden sich weiterhin an seinem Glauben orientieren, dass Verständigung – selbst zwischen ehemaligen Feinden – immer möglich ist.

Quelle