13 March 2026, 14:05

489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn: Systemversagen über Jahrzehnte

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Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - 489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn: Systemversagen über Jahrzehnte

Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt. Der am 12. März 2026 veröffentlichte Bericht benennt 210 beschuldigte Priester und legt systemische Versäumnisse innerhalb der Kirche offen. Bischof Udo Markus Bentz hat die Opfer seitdem um Vergebung gebeten und die Ergebnisse als Zeichen eines institutionellen Zusammenbruchs bezeichnet.

Die unabhängige Untersuchung der Universität Paderborn stützt sich auf Archivunterlagen und aktuelle Opferzeugnisse. Seit dem Bericht von 2023 wurden zwar keine neuen Fälle offiziell untersucht, doch eine Folgestudie wird die Überprüfung bis zum Jahr 2022 ausweiten. Erzbischof Bentz kündigte Gesprächsangebote für Betroffene sowie regionale Veranstaltungen an, um das begangene Unrecht aufzuarbeiten.

Vor der Präsentation der Studie wurde laut Thomas Wendland, dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums, eine nicht damit zusammenhängende Bemerkung über Kardinal Johannes Joachim Degenhardt geäußert. Das Erzbistum versprach, die Ermittlungen zu Degenhardts Rolle sowie zu weiteren Missbrauchsfällen zu vertiefen.

Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbandes, begrüßte Bentz' Entschuldigung als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen. Zudem unterstützte er Forderungen, Straßen umzubenennen, die die Kardinäle Jaeger und Degenhardt ehren – beide werden vorgeworfen, Missbrauch vertuscht zu haben. Bisher hat das Bistum 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Überlebende gezahlt.

Der Skandal war erstmals 2010 ans Licht gekommen und hatte die deutschen Diözesen gezwungen, sich mit dem flächendeckenden Missbrauch auseinanderzusetzen. Der aktuelle Paderborner Bericht ist Teil der laufenden Aufarbeitung historischer Versäumnisse.

Das Erzbistum Paderborn wird seine unabhängigen Untersuchungen fortsetzen, mit besonderem Fokus auf Degenhardts Verstrickung. Unterstützungsmaßnahmen für Opfer, darunter Dialogangebote und regionale Veranstaltungen, sind bereits angelaufen. Die bisher gezahlten Entschädigungen an Betroffene belaufen sich auf 93 Millionen Euro.

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